Mit dem neuen Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) 2025 soll ein modernes Fundament für die Energiewende in Österreich gelegt werden. Es ersetzt das alte ElWOG und überführt zentrale EU-Richtlinien wie die Strombinnenmarktrichtlinie oder die RED II in nationales Recht. Das Ziel ist klar: eine dezentrale, klimafreundliche und zukunftsfähige Energieversorgung.
Für uns bei colibrie ist das ein entscheidender Moment. Denn Energiegemeinschaften, gemeinschaftliche Erzeugungsanlagen und Bürgerenergieprojekte sind nicht nur ein Teil dieser Zukunft, sondern einer ihrer wichtigsten Bausteine. Sie ermöglichen Bürger:innen, Gemeinden und Unternehmen, gemeinsam Strom zu erzeugen, zu speichern und zu nutzen. Genau dafür setzen wir uns täglich ein. Deshalb haben wir den Gesetzesentwurf genau unter die Lupe genommen und unsere Stellungnahme eingebracht.
Das ElWG 2025 eröffnet große Chancen, darf Energiegemeinschaften aber nicht ausbremsen
Der Entwurf setzt einige wichtige Impulse. Mit der Anerkennung aktiver Kund:innen, der Stärkung gemeinsamer Energienutzung und der Integration moderner Speichertechnologien werden zentrale Türen für eine nachhaltige Energiezukunft geöffnet.
Gleichzeitig zeigt sich aber: an mehreren Stellen droht das Gesetz sein eigenes Potenzial auszubremsen. Vor allem dort, wo zu enge Grenzen oder zu hohe Hürden für Energiegemeinschaften gesetzt werden.
Die zentralen Kritikpunkte:
❗ Zu niedrige Leistungsgrenzen: Vorgeschlagene Obergrenzen für Anlagen sind praxisfern und bremsen landwirtschaftliche Betriebe, KMU und Windparks aus. Wir schlagen realistischere Werte vor, die Beteiligung erleichtern und Investitionen ankurbeln.
📍 Geografische Einschränkungen: Energiegemeinschaften sollen sich nur innerhalb enger Netzgrenzen organisieren dürfen. Das verhindert viele sinnvolle Projekte. Wir fordern mehr Flexibilität, damit auch regionale und sektorübergreifende Modelle entstehen können.
💸 Zusätzliche Gebühren und starre Regelungen: Von dauerhaften Spitzenkappungen bei PV-Anlagen bis zu leistungsbasierten Netzentgelten – viele Vorgaben mindern die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Projekte unnötig. Wir brauchen Anreize, nicht Bremsklötze.
📝 Unklare Definitionen und hohe Bürokratie: Bei Peer-to-Peer-Verträgen, Speichern oder auch gemeinsamen Erzeugungsanlagen fehlen oft klare Vorgaben und der bürokratische Aufwand ist für kleine Akteure zu hoch. Standardisierte Lösungen würden hier vieles erleichtern.
Unsere Stellungnahme enthält eine Reihe von Anpassungen, die Energiegemeinschaften nicht nur möglich, sondern wirklich attraktiv machen würden:
⬆️ Höhere Leistungsschwellen für aktive Kund:innen und gemeinschaftliche Anlagen, damit auch größere Projekte ohne unnötigen Verwaltungsaufwand möglich sind.
🌍 Flexiblere geografische Kriterien, um mehr Spielraum für innovative Modelle und Kooperationen zwischen Gemeinden zu schaffen.
🔋 Faire Rahmenbedingungen für Speicher: Sie müssen als gleichwertige Bestandteile anerkannt werden, ohne doppelte Netzentgelte oder Einschränkungen, damit ihr volles Potenzial für Netzstabilität genutzt werden kann.
⚡ Einfachere Vertrags- und Abrechnungssysteme, die den Aufwand für kleine Gemeinschaften senken und Rechtssicherheit schaffen.
🎯 Bessere Anreize für Flexibilität: statt pauschaler Kappungen braucht es variable Tarife und echte Belohnungen für netzdienliches Verhalten.
Österreich hat die Chance, mit dem ElWG 2025 ein Vorzeigebeispiel für die erfolgreiche Umsetzung von EU-Richtlinien zu werden. Dafür braucht es aber ein Gesetz, das nicht nur die großen Player stärkt, sondern vor allem Bürger:innen, Gemeinden und Energiegemeinschaften. Denn hier passiert die Energiewende ganz konkret: auf den Dächern, in den Dörfern, in den Städten.
Energiegemeinschaften schaffen regionale Wertschöpfung, erhöhen die Akzeptanz für erneuerbare Energien und machen Haushalte unabhängiger von Preisschwankungen. Wenn wir ihre Möglichkeiten beschneiden, schwächen wir genau die Akteure, die wir eigentlich fördern wollen.
Unser Ziel ist ein Gesetz, das Menschen, Gemeinden und Unternehmen ermutigt, Teil der Energiewende zu sein.
Das ElWG 2025 ist ein wichtiger Schritt, aber er ist noch nicht fertig. Mit gezielten Anpassungen kann daraus ein modernes und investitionsfreundliches Elektrizitätsrecht werden, das Energiegemeinschaften stärkt, Innovation fördert und Österreichs Klimaziele erreichbar macht.
Unser Ziel ist klar: ein Gesetz, das Menschen, Gemeinden und Unternehmen ermutigt, Teil der Energiewende zu sein. Nicht durch zusätzliche Hürden, sondern durch klare Regeln, faire Anreize und verlässliche Rahmenbedingungen.
Die vollständige Stellungnahme von colibrie zum ElWG 2025 steht hier zum Download bereit 👇